Auf der Grundlage der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789 begann die verfassungsgebende Nationalversammlung (Assemblée nationale constituante – kurz: constituante) mit den Arbeiten für eine Verfassung, die im September 1791 verabschiedet wurde.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Frankreich von der Constituante regiert. Trotz großer Schwierigkeiten vermochte es die Versammlung, die Einheit des Landes wiederherzustellen und entscheidende Strukturveränderungen voranzutreiben. Unter ihrer Verantwortung wurde Frankreich in etwa gleich große Departements eingeteilt, um die Zentralisierung der Nation zu verdeutlichen.
Neben dieser neuen Verwaltungseinteilung beschloss die Constituante auch eine Steuerreform und bemühte sich, die Finanzkrise des Staates unter Kontrolle zu bringen. Am 2. November 1789 wurde von ihr entschieden, „den Kirchenbesitz der Nation zur Verfügung zu stellen“. Mit diesem Beschluss wurden der katholische Kirche nur wenige Wochen nach der Abschaffung des Kirchenzehntes endgültig die materielle Basis und die finanziellen Mittel genommen. Die bis dahin mächtige französische Staatskirche wurde dadurch abhängig und völlig entmachtet. Ohne Konsultation des Papstes erfolgte am 12. Juli 1790 die endgültige Verstaatlichung der Kirche, die mit einer radikalen Umorganisation einherging.
Die ausführende Gewalt lag weiterhin beim König, der zwar kein Recht auf Gesetzesinitiative mehr hatte, aber ein beschränktes aufschiebendes Veto gegenüber der Legislative. An die Stelle der alten königlichen Gerichte (parlements, présidiaux, bailliages) sowie der Partikulargerichte des Adels und der Geistlichkeit wurde ein einheitliches Gerichtswesen gesetzt. Die richterliche Gewalt wurde von Richtern ausgeübt, die für eine bestimmte Zeit vom Volk gewählt und vom König bestätigt werden mussten. In die unmittelbare Abschaffung des Ancien Régime gehörten auch die Abschaffung der Binnenzölle und die Einführung einheitlicher Maße und Gewichte.
Bildung der ersten Clubs (Jakobiner)
Die Tagungen der Constituante fanden in einem Saal für 2000 Personen, der Reitbahn der Tuilerien, statt. In dieser Zeit bildeten sich verstärkt die Vorläufer der heutigen Parteien, die sich damals häufig unter der Bezeichnung „Club“ in verschiedenen Cafés der Hauptstadt trafen. Zu den bekanntesten Clubs zählten die Jakobiner, die schnell eine landesweit agierende Organisation mit über 450 Tochtergesellschaften des Pariser Clubs aufbauen konnten. Die Jakobiner wurden in der Hauptstadt vom gehobenen Bürgertum beherrscht und waren streng religiös eingestellt.
Flucht nach Varenne
Der neue (und alte) König Ludwig XVI. reagierte auf die Maßnahmen der verfassungsgebenden Nationalversammlung mit stillem Widerstand in der inneren Emigration. Ein aktives Auflehnen war für ihn als Quasi-Gefangener des Volkes aber nicht möglich.
Mit einem dilettantisch organisierten und ausgeführten Fluchtversuch versuchte der Monarch in der Nacht zum 21. Juni 1791 mit seiner Familie in die von königstreuen französischen Regimentern besetzte Grenzstadt Montmédy zu fliehen. Während die Flucht aus Paris ohne Zwischenfälle verlief, wurde die königliche Familie in Varenne erkannt und festgenommen. Soldaten der Nationalgarde brachten die Festgenommen am 25. Juni zurück in die Hauptstadt und stellten die Familie unter Hausarrest. Mitglieder der gemäßigten Fraktion der Constituante sprachen sich trotz der Vorfälle weiterhin für die konstitutionelle Monarchie mit Ludwig XVI. an der Spitze aus. Viele Bürger und Vertreter der radikalen Partei traten indes für eine Verurteilung und Bestrafung des Monarchen ein. In der Folge dieser Ereignisse kam es zu Unruhen mit dem Ruf nach einer Republik und zur Spaltung des Jakobinerclubs.
