Den Wahlkampf fährt Emmanuel Macron bislang auf Sparflamme, doch dreieinhalb Wochen vor der ersten Runde der Präsidentenwahlen hat der Amtsinhaber sein Programm für eine mögliche Wiederwahl vorgestellt.
Die Gelbwesten-Proteste hatten seinen Reformeifer erlahmen lassen, doch nach einer Wiederwahl will Macron an seinen früheren Reformelan anknüpfen. Im Zentrum steht dabei vor allem eine große Rentenreform – ein Projekt, an dem mehrere Vorgängerregierungen gescheitert waren. Macron will künftig das Rentenalter von 62 auf 65 Jahre anheben und die aktuell mehr als 40 verschiedenen Rentensysteme vereinheitlichen.
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Mehr InformationenReformen und soziale Wohltaten
Weit gehende Reformen soll es auch im französischen Schulwesen geben. So sollen Grundschulkinder in Zukunft eine halbe Stunde täglich Sport machen. Außerdem will Macron bei einer Wiederwahl die Lehrergehälter anheben. Derzeit verdienen die Lehrer in Frankreich mehr als ein Drittel weniger als ihre Kollegen in Deutschland. Die Folge: In zahlreichen Fächern mangelt es an qualifiziertem Nachwuchs.
Die ohnehin zuletzt stark gestiegene Staatsverschuldung dürften auch andere Reformvorhaben weiter in die Höhe treiben. So will Macron die staatlichen Hilfe für die Kinderbetreuung von Alleinerziehenden erhöhen und Senioren beim altersgerechten Umbau ihrer Wohnungen unter die Arme greifen. Wie in Großbritannien sollen auch in Frankreich die Rundfunkgebühren abgeschafft werden. Macron plant ebenfalls eine Senkung der im internationalen Vergleich hohen Erbschaftssteuer. Die sozialen Wohltaten summieren sich Macrons Berechnungen zufolge auf jährlich rund 50 Milliarden Euro.
Europäische Souveränität
In der Außenpolitik will der Liberale an die Schwerpunkte seiner ersten Amtszeit anknüpfen und Frankreich und Europa von anderen Mächten unabhängiger machen. Das gilt vor allem für die Verteidigungs- als auch für die Energiepolitik.
Als Reaktion auf die russische Angriffskrieg gegen die Ukraine will der Präsident den bestehenden Staatsbürgerdienst für junge Franzosen ausweiten und mehr Reservisten vorhalten.
In den Umfragen führt Macron (30 Prozent) wenige Wochen vor der Wahl am 10. April mit deutlichem Abstand vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen (20 Prozent), die knapp zehn Prozentpunkte hinter ihm liegt. Auch bei der Wahl 2017 waren die beiden Politiker in die Stichwahl eingezogen.
