Frankreich als Besatzungsmacht

Für eine Neuordnung der deutsch-französischen Beziehungen war in dieser Zeit unmittelbar nach dem Krieg kein Platz. Im Gegenteil: Frankreich schien dem Beispiel des Ersten Weltkrieges folgen zu wollen und setzte auf eine harte Besatzungspolitik für das besiegte und zerstörte Deutschland. Dies traf sowohl auf die alltägliche Politik und Versorgung seiner Besatzungszone zu, wie auch auf die konzeptionellen Grundlagen, die die französische Regierung in Bezug auf das besiegte Reich ausarbeitete.

Gemäß der alten Sicherheitsdoktrin war die Regierung von dem Gedanken beseelt, endgültige Sicherheit vor Deutschland erreichen zu wollen. Ähnlich wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, nur dieses Mal noch radikaler, wollte Frankreich dem Reich jegliche Möglichkeit nehmen, in Zukunft wirtschaftlich oder militärisch wieder zu erstarken. Nicht wenige Politiker forderten ähnlich wie es der amerikanische Morgenthau-Plan vorsah, aus Deutschland eine bessere „landwirtschaftliche Nutzfläche“ zu machen. Konsens herrschte in der französischen Politik weitgehend über die Notwendigkeit einer internationalen Kontrolle des Ruhrgebietes mit seiner kriegswichtigen Schwerindustrie.

Der erste Augenmerk galt indes dem Saarland, das von Deutschland abgetrennt und nach Frankreich eingegliedert wurde. Mit seinen für die französische Stahlindustrie wichtigen Kohlevorkommen hatte das kleine Saarland für Paris eine wichtige strategische Bedeutung. Neben der Saarland-Frage galt die Aufmerksamkeit der Politik schon früh einem Projektes der Briten und US-Amerikaner, die in Deutschland eine einheitliche Verwaltung aufbauen wollten. Die Regierung in Paris wollte eine einheitliche Verwaltung unter allen Umständen vermeiden und sprach sich für die Aufteilung des alten Reiches in viele Kleinstaaten aus, damit eine starke Zentralgewalt gar nicht wieder neu entstehen konnte. Als Briten und Amerikaner schließlich 1947 die Bizone geschaffen hatten, verweigerte Frankreich zunächst beharrlich den Beitritt seiner Besatzungszone.

Die französischen Besatzungsmacht genoss bei der deutschen Bevölkerung ein sehr geringes Ansehen. Die Versorgungslage in der Zone war katastrophal, unter anderem weil Frankreich selbst stark kriegsgeschädigt war und die Versorgung der eigenen Bevölkerung mühsam wieder aufbauen musste. Die ohnehin schlechte Versorgungslage in der Besatzungszone litt darüber hinaus auch unter der Nachfrage der französischen Truppen, die aus der Bevölkerung Lebensmittel, Wohnraum und Nutztiere requirierten.

Weg zur Versöhnung

Doch bei allem Mißtrauen, das französische Politiker gegenüber des besiegten Nachbarn pflegten, wurden die Grundlagen für die spätere Versöhnungspolitik zwischen den beiden Staaten von französischer Politikern bereits kurz nach Ende des Krieges entwickelt. Durchsetzen konnte sich die dieses Konzept vertretenden Politiker indes erst gegen Ende der 1950er Jahre. Drei Jahre nach Ende des Krieges mussten auch deutschlandkritische Politiker anerkennen, dass unmittelbare Gefahr für die Sicherheit in Westeuropa nicht mehr von Deutschland, sondern von einer hegemonialen Politik der Sowjetunion ausging. Hinzu kam, dass die Supermacht USA gemeinsam mit Großbritannien längst längst beschlossen hatte, Westdeutschland in ein Bündnis gegen die Sowjetunion aufzunehmen.

Die französische Politik der Verhinderung einer westdeutschen Staatsgründung konnte unter diesen Umständen nicht mehr durchgehalten werden. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht musste Frankreich am 3. April 1948 den „Londoner Empfehlungen“ zur Schaffung eines westdeutschen Staates zustimmen. Angesichts dieser normativen Kraft des Faktischen war der französische Plan über die Errichtung deutscher Kleinstaaten über Nacht wertlos geworden. Von der französischen Forderungen blieb schließlich nur noch die Gründung der Internationalen Ruhrbehörde für die Verwaltung der Kohle und die Zollunion mit dem Saarland übrig.

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