StartGeschichteDeutsch-französische BeziehungenVorgeschichte des Elysée-Vertrages

Vorgeschichte des Elysée-Vertrages

Mit den Plänen für einen deutsch-französischen Vertrag reagierte Staatspräsident Charles de Gaulle auf das Scheitern der von Frankreich forcierten „Fouchet-Pläne“. De Gaulle wollte mit ihnen die Bildung einer europäischen politischen Union anstreben, doch Meinungsunterschiede über die Beziehungen zu den USA, de Gaulles Weigerung, einem Beitritt Großbritanniens zur EWG zuzustimmen und verschiedene Standpunkte über die supranationale Integration Europas ließen das Projekt 1962 schließlich scheitern.

Als sich Adenauer im Juli 1962 zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Frankreich aufhielt, unterbreitete de Gaulle Adenauer den Vorschlag, im Falle des Scheiterns einer europäischen politischen Union eine enge binationale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich anzustreben. Nach anfänglichem Zögern ging Adenauer auf die französischen Vorschläge ein. Während seines Gegenbesuches in Deutschland im September 1962 wiederholte de Gaulle mehrfach seine Forderung nach einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den beiden ehemals verfeindeten Staaten und die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit im europäischen Rahmen, um den Frieden dauerhaft zu sichern.

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Die wesentlichen Elemente des späteren Vertrages skizzierte der französische Staatspräsident während seiner Reden in mehreren deutschen Städten. In seiner Rede an die deutsche Jugend in Ludwigsburg forderte er diese auf, aktiv an der Gestaltung der deutsch-französischen Zukunft mitzuwirken.

Noch während des Besuches kamen de Gaulle und Adenauer überein, die Eckpunkte der zukünftigen Zusammenarbeit in einer Niederschrift festzuhalten.

Memorandum und Vertragsunterzeichnung

Schon kurz nach seiner Rückkehr in die französische Hauptstadt übersandte de Gaulle Adenauer ein sechsseitiges Memorandum, das im wesentlichen eine enge Zusammenarbeit für die Bereiche vorsah, die ursprünglich innerhalb der europäischen politischen Union geregelt werden sollten. In der Antwort der deutschen Seite am 8. November 1962 wurde der französische Vorschlag in seinen Kernpunkten angenommen, in Einzelfragen aber Korrekturen vorgenommen. Einen Monat später, am 16. und 17. Dezember 1962 verständigten sich die beiden Außenminister Gerhard Schröder und Maurice Couve de Murville in Paris auf die Eckpunkte eines Protokolls, das die Zusammenarbeit in den von Frankreich vorgeschlagenen Bereichen fixieren sollte.

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Die Idee, die deutsch-französische Zusammenarbeit nicht in Form eines Protokolls, sondern in einem Vertrag festzuschreiben, veröffentliche Adenauer am 18. Januar 1963 in einer Mitteilung an das französische Außenministerium. Adenauer wollte mit dieser Maßnahme einer Verfassungsklage entgehen, die ihm angesichts einer so weitreichenden Vereinbarung in Form eines Protokolles gedroht hätte; er mußte aber nun eine Ratifikationsdebatte im Bundestag in Kauf nehmen, deren Ausgang nicht abzusehen war.

Nachdem die französische Seite diesem Wunsch zugestimmt hatte, unterzeichneten Staatspräsident de Gaulle, Premierminister Pompidou und Bundeskanzler Adenauer den Vertrag am 22. Januar 1963 im Élysée-Palast.

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