Frostiger Beginn der Partnerschaft
Ähnlich wie zwischen Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt entwickelte sich auch zwischen ihren Nachfolgern François Mitterrand und Helmut Kohl ein vertrauensvolles, ja sogar freundschaftliches Verhältnis. Danach sah es indes zu Beginn der Amtszeit, in der er 1981 die ersten Monate mit Helmut Schmidt in Bonn zu tun hatte, nicht aus. In den ersten zwei Jahren seiner Präsidentschaft zeigte der Sozialist sowohl auf europäischer Ebene als auch in den deutsch-französischen Beziehungen eine kühle Zurückhaltung.
Versöhnung
Nach dem Scheitern seiner sozialistisch ausgerichteten Wirtschaftspolitik setzte Mitterrand seit 1984 auf privilegierte deutsch-französische Beziehungen. Der symbolische Ausdruck der erneuten deutsch-französischen Annäherung fand am 22. September 1984 auf den ehemaligen Schlachtfeldern von Verdun statt. Kohl und Mitterrand hatten die Erinnerungsfeier für die Opfer beider Weltkriege vereinbart, nachdem im Juni 1984 die großen Feiern zum 40. Jahrestag der Normandie-Landung in der deutschen Öffentlichkeit zu Irritationen geführt hatten. Als Kohl und Mitterrand vor den endlosen Gräberreihen standen, ergriff der französische Staatspräsident die Hand des deutschen Bundeskanzlers und bekräftigte damit auf symbolische Art die gemeinsame Erklärung:
„Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“
Verdun 1984
Bilaterale Abkommen
Die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen wurde auch in mehreren bilateralen Abkommen deutlich. Schon 1982 erfolgte die Bildung einer deutsch-französischen Verteidigungskommission. Sie erweckte den im Élysée-Vertrag bereits verankerten militärischen Bilateralismus zu neuem Leben. Mitterrand wollte auf diese Weise, nachdem er durch die massiven Proteste der deutschen Bevölkerung gegen den NATO-Doppelbeschluss alarmiert war, die deutsche Westbindung, die im unbedingten französischen Interesse stand, weiter absichern. Um Bundeskanzler Helmut Kohl in den innenpolitischen Auseinandersetzungen um den NATO-Doppelbeschluss den Rücken zu stärken, sprach sich Mitterrand 1983 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag in Bonn ausdrücklich für den Doppelbeschluss aus.
Die Gründung des deutsch-französischen Verteidigungsrates 1988 erweiterte die deutsch-französische Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich zusätzlich. Mit der Aufstellung einer Deutsch-Französischen Brigade, die später auch den Kern des Eurokorps bildete, wurde im gleichen Jahr die Zusammenarbeit noch weiter intensiviert.
