StartGeschichte19. JahrhundertRegentschaft des "Bürgerkönigs"

Regentschaft des „Bürgerkönigs“

Mit der Abdankung Karl X. erreichten Kleinbürgertum und Arbeiterschaft ihr Ziel, die Wiedererrichtung der Republik, nicht, sondern mussten sich damit begnügen, dass die von Besitzbürgern dominierte Kammer den „Bürgerkönig“ Louis Philippe (1830-1848) aus der bourbonischen Nebenlinie Orléans wählten und damit die Monarchie weiter Bestand hatte. Mit Herzog Ludwig Philipps von Orleans („Louis Philippe“) kam eine kleine Gruppe von Bankiers und liberalen Adeligen an die Macht.

Im August 1830 wurde eine Verfassung verabschiedet, die formal der von 1814 glich, da die Verfassungsorgane identisch blieben. Doch im Gegensatz zur oktroyierten Charta von 1814 war diese nunmehr der Ausdruck eines Paktes zwischen dem König und der Abgeordnetenkammer als Vertretung der Nation.

Der neue König war ein ehemaliges Mitglied des Jakobinerclubs. Als Oppositionskräfte standen ihm die Bonapartisten, die Legitimisten (Anhänger der abgesetzten bourbonischen Hauptlinie) und die Republikaner gegenüber. Auch die eigentlichen Unterstützer der Julimonarchie spalteten sich in zwei Lager: Zur Bewegung (mouvement) gehörten Bürger und Intellektuelle, die mehr Demokratie anstrebten, im Widerstand (résistance) versammelten sich die Kräfte, die gegen eine solche weitere Demokratisierung und Liberalisierung waren. Zur letzteren Gruppe gehörten auch der Bankier und leitende Minister (bis 1832) Casimir Perier und der Historiker und spätere Außenminister und Ministerpräsident François Guizot.

Wirtschaftlicher Aufschwung – Forderungen des Proletariats

Das Frankreich der 30er Jahre wurde stark von den Interessen des Groß-Bürgertums geprägt – von einer wirklichen Beteiligung des Volkes an der Macht im Staate konnte keine Rede sein. Von den rund 35 Millionen Franzosen waren nur weniger als 250.000 wahlberechtigt, da der Rest vom Zensus ausgeschlossen wurde. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg, dessen Grundlage durch das nun an den Schaltstellen der Macht sitzende Großbürgertum geschaffen wurde, wuchs die Größe des Arbeiterproletariats und das Potential an sozialer Unzufriedenheit. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung wurde vom König nicht aufgenommen: Auf die Forderung des Proletariats nach Erweiterung des Wahlrechts antwortete er mit der Aufforderung:

„Enrichissez-vous“ («Bereichert Euch», wenn Ihr wählen wollt).

Da der König die Forderung nach einer Reform des Wahlrechts ignorierte, fielen die Ideen seiner entschiedenen Gegner, der Frühsozialisten um Pierre Joseph Proudhon, Louis Blanc und Louis Auguste Blanqui in der Arbeiterschaft auf fruchtbaren Boden.

Auf die ersten Proteste (in Lyon kam es bereits 1831 und 1834 zu Weberaufständen), die rasch niedergeschlagen werden konnten, reagierte der König noch mit einer Verschärfung seines  konservativ autoritären Kurses. Ein weiterer Vorbote einer herannahenden Krise des Systems war der Unfalltod des volkstümlichen Kronprinzen  1842.

Februarrevolution

Fünf Jahre später, nachdem Missernten und eine wirtschaftliche Krise das Land erfasst hatten, geriet der zu Reformen unfähige Monarch schließlich unter einen seine Existenz bedrohenden Druck der Bevölkerung. Ein kleiner Funke reichte in dieser explosiven Lage aus, um die ganze Monarchie in ihren Grundfesten zu erschüttern. Als Symbolfigur für den Zustand der Monarchie galt Ministerpräsident François Guizot, der sich gegen eine Verbesserung der Sozialgesetzgebung aussprach und in Wahlrechtsfragen keinen Kompromiss mit der Bevölkerung eingehen wollte. Anfang 1848 verbot die Regierung Guizot öffentliche Veranstaltungen der Republikaner für eine Ausweitung des Wahlrechts. Am 22. Februar 1848 kam es als Reaktion darauf in Paris zu Demonstrationen von Arbeitern und Studenten, die  in Barrikadenkämpfen eskalierten. Einen Tag später sah sich Louis Philippe gezwungen, die Symbolfigur des Regimes, Ministerpräsident Guizot, zu entlassen. Unmittelbar nach seiner Entlassung kam es zu tätlichen Angriffen gegen das Regime und auch gegen ihn. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen gab es auf beiden Seiten Tote und Verletzte. 

Wenig später verweigerten die Nationalgardisten dem König die Gefolgschaft und gingen unzureichend gegen die neu errichteten Barrikaden vor. Der «Bürgerkönig» mußte unter dem Druck der Straße zurücktreten und emigrierte nach Großbritannien. Da es von keiner Seite nennenswerte Unterstützung für den Monarchen gab, war die Revolution schnell erfolgreich und kam ohne großes Blutvergießen aus.

Die französische Februarrevolution war eine der Grundlagen für die Märzrevolution 1848/49 in Deutschland.

Außenpolitik in der Julimonarchie

In der Außenpolitik verfolgte die Regierung einen zurückhaltenden Kurs. Zwar unterstützte der König die Belgier im Kampf gegen die Holländer 1832, ein Eingreifen in den inneren Konflikt Spaniens vermied er indes.

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