Mit Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing übernahmen 1974 zwei junge Politiker die Macht, die zwar unterschiedlichen politischen Lagern angehörten, aber auf persönlicher Ebene gut miteinander harmonierten. Das „Tandem“ Schmidt-Giscard belebte den zehn Jahre alten Élysée-Vertrag neu und startete verschiedene deutsch-französische Initiativen. Die beiden Staatenlenker wollten dem Bedeutungszuwachs der Wirtschaft mit der Schaffung neuer politischer Beratungs- und Regulierungsinstitutionen begegnen.
Auf die Führungskrise der USA reagierten sie mit dem Vorschlag, die sieben führenden westlichen Industrieländer in regelmäßigen Abständen informell und ohne große Öffentlichkeit zu versammeln, um gemeinsame Strategien zu entwickeln: die Geburtsstunde der „G7“. Möglich wurde die neue deutsch-französische Zusammenarbeit, die auf einigen Gebieten eine regelrechte Arbeitsteilung vorsah, durch veränderte ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen.
Die deutsche Politik hatte mit der Ostpolitik einen neuen Handlungsspielraum bekommen, die Wiederaufnahme in die internationale Staatenwelt als gleichwertiges Mitglied war nahezu abgeschlossen. Die deutsche Wirtschaft hatte sich so weit von den Kriegsfolgen erholt, dass sie in den 1970er Jahren zu den drei führenden Volkswirtschaften auf der Welt gehörte.
Zur gleichen Zeit hatte sich die ökonomische Situation in Frankreich deutlich verschlechtert und auch die politische Handlungsfähigkeit der Regierung in Paris war stark eingeschränkt. Deutschland und Frankreich verfügten nun – zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg – über ein vergleichbares Machtpotential. Dieses Gleichgewicht machte es möglich, dass sich Frankreich auf dem prestigeträchtigeren Feld der Außenpolitik engagierte, während Deutschland in der Wirtschaftspolitik den Ton angab.
Auf der Grundlage dieser Arbeitsteilung versuchten Schmidt und Giscard die Integration in Europa weiter voranzutreiben. Europa sollte mit Hilfe des „deutsch-französischen Motors“ zu einer politischen und wirtschaftlichen Macht werden. Durchaus mit Erfolg. Auf Initiative des deutschen und französischen Regierungschefs wurde nach wiederholten Währungsturbulenzen, die nach Aufkündigung des Bretton Woods-Systems einsetzten, das Europäische Währungssystem (EWS) geschaffen.
