Nach dem Rücktritt von Edouard Daladier (1934) bildete Gaston Dumergue eine Regierung der nationalen Einheit (Union-nationale), die wieder ohne Zustimmung der Kommunisten und Sozialisten auskommen mußte. Zum wiederholten Male hatten sich innerhalb einer Legislaturperiode die Mehrheitsverhältnisse im Parlament umgekehrt. Aber auch die Union nationale-Regierungen unter Doumergue, Pierre Flandin und Pierre Laval gelang es nicht, die Situation im Lande zu stabilisieren.
„Brot, Frieden, Freiheit“
In der Folgezeit kam es zu einer Vereinigung der Linken (Sozialisten, Kommunisten und Radikalsozialisten), die 1936 die sogenannte Volksfront (Front populaire) bildete. Der Historiker René Rémond schrieb dazu, dass sich dieses Jahr „unauslöslich in das Gedächtnis der Franzosen eingegraben hat“. Bestätigt wurde die Einheit der Linken durch die Wahlen im Mai 1936, die von der Volksfront mit der Parole „Brot, Frieden, Freiheit“ gewonnen werden konnten. Im Parlament besaßen sie nun 380 Abgeordnete, während die Rechten auf 220 Sitze kamen.
Noch bevor die erste sozialistische Regierung in Frankreich unter Ministerpräsident Léon Blum (1936/37, 1938) ihr Amt antreten konnte, brach eine gewaltige Streikwelle mit systematischer Besetzung von Betrieben aus, die das gesamte Land weitgehend lahm legte und die Versorgung der Bevölkerung zwischenzeitlich gefährdete. Obwohl von dieser schweren Hypothek schwer belastet, gelang es der neuen Regierung mit zahlreichen Sozialreformen wie der Einführung der 40-Stunden-Woche (vorher: 48 Stunden), bezahltem Jahresurlaub, Schulgeldbefreiung, ermäßigten Ferienbahnkarten und Arbeitervertretungen in den Betrieben die Krise wieder beizulegen. Vermittelnd hatte Blum bereits in der Matignon-Vereinbarung eingegriffen.
Obwohl die Kommunisten die Volksfront unterstützten, weigerten sie sich, Minister in die Regierung zu entsenden. Besonderes Aufsehen erregte die Ernennung von drei Unterstaatssekretärinenn, obwohl es in Frankreich zu dieser Zeit weder aktives noch passives Wahlrecht für Frauen gab.
Als Folge der sozialen Maßnahmen, die die Binnennachfrage drastisch erhöhten, kam es zu einem erneuten Inflationsdruck und zur Minderung der Konkurrenzfähigkeit französischer Produkte im Ausland.
Krise und Ende der Volksfront
In Schwierigkeiten kam die Volksfront, da sie von mehreren Seiten angegriffen wurde. Die den Konservativen nahe stehenden Presseorgane attackierten die Regierung in besonderem Maße. Darüber hinaus verschlang die starke Inflation schnell die verhandelten Lohnerhöhungen der Arbeiter und verstärkte deren Misstrauen in die Regierung. Als sich diese Tendenz abzeichnete, gingen auch die Kommunisten immer stärker auf Distanz zu Blum und seiner Regierung.
Im Februar 1937 kündigte Blum schließlich eine Reformpause an und erntete einen Sturm der Entrüstung, der in blutigen Unruhen ausuferte – fünf Menschen wurden in deren Verlauft von der Polizei erschossen. Die durch massive Streiks auftretende Verschärfung der wirtschaftlichen Situation brachte die Regierung zusätzlich unter Druck. Außerdem hatte Blum die Unterstützung der Volksfront verloren, weil er im Spanischen Bürgerkrieg eine Politik der Nichteinmischung vertrat. Nach wenig mehr als einem Jahr trat Ministerpräsident Blum zurück, als Mitte 1937 Blums Forderung nach Notstandsvollmachten zur Behebung der Wirtschaftskrise vom konservativen französischen Senat abgelehnt worden waren. Sein Nachfolger wurde der Radikalsozialist Edouard Daladier, der wiederum selbst im März 1938 in eine Regierungskrise geriet.
Noch einmal wurde Leon Blum für einen Monat zum Ministerpräsidenten, bevor er April 1938 endgültig scheiterte und Daladier (1938-1940) erneut zum Nachfolger bestimmt wurde. In seiner neuen Regierung nahm der Radikalsozialist auch Politiker der Rechten wie Paul Reynaud und George Mandel auf. Zum endgültigen Bruch zwischen der Regierung Daladier (1938-1940) und den Sozialisten kam es, nachdem Daladier im September dem Münchener Abkommen zugestimmt hatte.
