StartGeschichteDeutsch-französische BeziehungenZwischen Appeasement und Weltkrieg

Zwischen Appeasement und Weltkrieg

Reichskanzler Adolf Hitler lieferte Deutschland die ersehnte Revision des verhassten Versailler Vertrages und legte damit einen Flächenbrand in Europa. Frankreich reagierte auf die nationalsozialistische Herausforderung halbherzig. Nicht zuletzt weil die Republik im Inneren vom Chaos bedroht war, gelang es ihr nicht, sich gegen den Diktator aufzulehnen. Die Zugeständnisse, die Ministerpräsident Edouard Daladier und sein britischer Amtskollege Chamberlain beim Münchener Abkommen machten, sind nur ein Beispiel dafür.

Selbst nach dem deutschen Überfall auf Polen, den Frankreich mit der Kriegserklärung an das Deutsche Reich beantwortete, konnte sich das Land nicht zu einem Schlag gegen den Aggressor aufraffen. Zur Kriegserklärung aufgrund des Bündnisvertrages mit Polen gezwungen, reagierte man mit einem Sitzkrieg, dem «drôle de guerre». Abgesehen von einigen lokalen Scharmützeln schwiegen in den Monaten vor dem deutschen Angriff auf Frankreich die Waffen.

Blitzkrieg

Der Waffengang mit Frankreich begann im Mai 1940 und dauerte lediglich sechs Wochen. Der „Blitzkrieg“ endete mit einer vernichtenden Niederlage der französischen Streitkräfte. Die französische Seite fühlte sich gedemütigt von der Dominanz des deutschen Militärs und der eigenen Schwäche.

Am 22. Juni 1940 kapitulierte Marschall Philippe Pétain im historischen Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne an dem Ort, an dem auch der Waffenstillstand des Ersten Weltkrieges unterschrieben worden war – eine Demütigung für den Pétain und sein Land. Die Bedingungen des Waffenstillstands waren hart: Frankreich wurde abgesehen von einigen kleineren Gebieten mit besonderem Status in zwei Zonen aufgeteilt. Der größte Teil Frankreichs inklusive der Hauptstadt Paris unterstand direkt dem deutschen Militärbefehlshaber. Elsaß und Lothringen wurden faktisch vom Deutschen Reich annektiert. Südlich der Linie Genf-Dole-Chalons-sur-Saône-Moulins-Bourges-Langon-Mont de Marson entstand die sogenannte freie Zone, die von der in den Kurort Vichy umgezogenen Regierung Petain kontrolliert werden durfte.

Kollaboration

Die ersten Absprachen über eine Kooperation zwischen Vichy und Nazi-Deutschland fanden bereits kurz nach der Bildung des Vichy-Staates statt. Bei einem Treffen mit Adolf Hitler sagte Petain im Oktober 1940 dem Reichskanzler die Zusammenarbeit zu.

Nachdem der stellvertretende Ministerpräsident Pierre Laval im April 1942 auf deutschen Druck zum Regierungschef ernannt wurde, verstärkte sich die Tendenz, mit dem Deutschen Reich zu kooperieren. Dabei beschränkte sich die Zusammenarbeit nicht nur auf die am Ende gescheiterte Bildung einer Légion tricolore und die Entsendung französischer Arbeiter nach Deutschland.

Die französischen Behörden kooperierten auch bei deutschen Polizeirazzien gegen Juden in Frankreich und halfen der Gestapo bei der Informationsbeschaffung. Einen positiven Effekt auf deutscher Seite konnte diese Anbiederung der französischen Führung indes nicht verschaffen. Im Gegenteil: Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika besetzten am 11. September 1942 deutsche Truppen auch noch die bislang unbesetzte Zone und brachten damit ganz Frankreich unter deutsche Kontrolle. Laval und Petain wurden trotz ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit von der deutschen Führung immer mehr in den Hintergrund gestellt.

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